Leben in der Zeitmaschine

Leben in der Zeitmaschine

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Die geschützte Lage muss den ersten Entdeckern wie ein Geschenk Gottes vorgekommen sein

Hobart ist Hauptstadt und größte Stadt (ca. 220.000 Einwohner) des australischen Inselstaates Tasmanien. Gegründet 1804 als britische Strafkolonie ist sie nach Sydney die zweitälteste Hauptstadt eines australischen Bundesstaates.

Die geschützte Lage am Fuße des Mount Wellington, mit einem der größten und tiefsten Naturhäfen der Welt, muss den ersten Entdeckern wie ein Geschenk Gottes erschienen sein, als sie nach der Überfahrt über die berüchtigte Tasman-See hier angekommen sind.

Für uns ist Hobart insbesondere die Wahlheimat unserer Tochter und Schwester Emilia, die 2008/09 ein Austauschjahr hier verbrachte. Nach Ihrer Heimkehr und abgeschlossener Matura begann sie in Hobart ein Medizinstudium. Wir besuchten sie 2012 zum erste Mal in Tasmanien und waren überwältigt von der landschaftlichen Schönheit und den aussergewöhnlichen Menschen, die hier leben. Neben dem Wunsch, nach den relativ kurzen Wiedersehen in den letzten Jahren wieder einmal längere Zeit zusammen zu sein, ist dies mit der Grund, den größten Teil unseres Weltreise-Jahres hier zu verbringen.

 

 

Ich liebe Hobart, es ist wie eine Reise in die Vergangenheit

Am Flughafen in Sydney kommen wir ins Gespräch mit einer sehr lieben, älteren Dame. Zu unserem Reiseziel meint sie “Ich liebe Hobart, es ist wie eine Reise in die Vergangenheit!”. Treffender kann man es in dieser Kürze unserer Meinung nach nicht sagen.

Mittags landen wir in Hobart wo unsere lieben Freunde Kathy und Mark bereits mit zwei Autos auf uns warten und uns zum Mittagessen zu sich nach Hause einladen. Wir erfahren, dass in Sydney am Vormittag eine Geiselnahme im nur einen Kilometer von unserem Hotel entfernten ‘Lindt-Café’ stattgefunden hat. Im Stadtzentrum herrscht totales Verkehrschaos, die nähere Umgebung des Martin Place wurde komplett abgesperrt. Wir sind froh, gerade noch vor Errichtung der zahlreichen Straßensperren zum Flughafen gefahren zu sein.

Nach dem Mittagessen werden wir von Kathy und Mark nach Taroona, einem Vorort im Süden Hobarts, gefahren. Emilia hat hier  kurz vor ihrer Abreise nach Neuseeland ein Haus für uns gefunden, das wir bis zu unserer Abreise mieten können. Die Lage des Hauses ist einfach traumhaft, man hat den perfekten Ausblick auf das Meer und die ‘Eastern Shore’ gegenüber von Hobart.

Leider ist das Erdgeschoss ein wenig feucht und muffig. Als Emilia das Haus besichtigt hatte, waren die Fenster und Terrassentüren offen und so hatte sie davon nichts bemerkt. Wir lüften erst einmal alles durch und richten uns häuslich ein. Der erste Stock ist sehr schön, mit offenem Wohnbereich, hell und freundlich. Die Wiedersehensfreude ist groß, als uns abends Emilias Freund Paul besucht und zum Einstand Blumen, Schokolade und Bier mitbringt. Wir hatten ihn seit mehr als zwei Jahren nicht gesehen.

Am nächsten Morgen werden wir von der aufgehenden Sonne um 6.00 geweckt. Beim Frühstück hören wir im Radio, dass das Geiseldrama in der Nacht beendet wurde. Der Geiselnehmer und zwei Geiseln starben dabei.

 

 

Nicht lange und das Wasser findet seinen Weg ins Haus

 

Kathy und Marks’ Sohn Paul, der sich gerade in Südamerika befindet, hat uns dankenswerterweise  sein Auto überlassen. Das macht es für uns viel einfacher, die vielen Dinge zu erledigen, bis wir ein eigenes Auto gefunden haben.

Wir fahren in die Stadt, Lebensmittel kaufen und ein Bankkonto eröffnen. Am Nachmittag sind wir wieder im Haus, gerade rechtzeitig um ein Unwetter der Extraklasse zu erleben. Zuerst hagelt es wie verrückt und dann beginnt es in Strömen zu regnen. Nicht lange und das Wasser findet seinen Weg in das Haus, von den Fensterbänken rinnt es auf den Boden und aus den Deckenleuchten fließen wahre Bäche. Die ersten Sicherungen fliegen, ich schalte rasch den Hauptschalter aus.

Wir rufen die Vermieterin an, kurze Zeit später kommt ihr Mann, schaut sich das Dach an und räumt die Dachrinnen aus. Nach einer Stunde erscheint dann auch noch ein Elektriker und bringt unseren Stromkreislauf wieder zum Laufen.

Am nächsten Tag ziehen Emilia und ich los, um ein Auto zu kaufen. Ich habe am Vortag die Gebrauchtwagenbörsen durchstöbert und einige passende Annoncen herausgesucht. Nach vier Probefahrten kehren wir zum ersten Händler zurück und kaufen einen Subaru Forester, Baujahr 2007. Dieses Auto ist offensichtlich eines der beliebtesten in Australien und sollte sich hoffentlich in sieben Monaten problemlos wieder verkaufen lassen.

 

 

Sechs Monate in einer Tropfsteinhöhle? Nein, danke!

 

Am Nachmittag kommt ein Baumeister, um das Dach unseres Hauses zu besichtigen. Kopfschüttelnd klettert er nach einiger Zeit wieder herunter und spricht von einem Alptraum, den er da oben gesehen hätte. Nach einem Gespräch mit den Vermietern wird klar, dass sie nicht daran denken, das Dach reparieren zu lassen. Obwohl uns alle Menschen, mit denen wir über das Unwetter sprechen versichern, dass es sich um ein extrem seltenes Wetterereignis gehandelt hat, haben wir wenig Lust, in Zukunft bei jedem Regenguss in Panik verfallen zu müssen. Nach einigen  Diskussionen beschließen wir, eine neue Unterkunft zu suchen. Ein Gewitter ein paar Tage später gibt uns recht, da wir schon wieder einen Wassereinbruch erleiden.

Gleich am nächsten Tag sehen wir uns das erste Haus an, das sich als leider nicht passend herausstellt. So geht es uns in den kommenden Tagen mehrfach. Dass wir nur für ein halbes Jahr hier sind, macht die Sache nicht unbedingt einfacher.

Schließlich werden wir in “Battery Point”, dem ältesten Teil Hobarts, fündig. Den Namen hat der Stadtteil von einer Batterie Kanonen, die 1818 zu Verteidigungszwecken hier installiert wurde. Inmitten von Battery Point liegt der idyllische Arthur Circus, ein kleiner, kreisrunder Park, der von einer Straße eingefasst wird. Hier befindet sich unser Haus, in sehr ruhiger Lage und doch so zentral, dass man innerhalb von zehn Minuten zu Fuß fast jeden Ort im Stadtzentrum erreichen kann. Das Haus ist eines der ältesten Hobarts und wurde, wie auch die Nachbarhäuser, ursprünglich zur Unterbringung von Offizieren der hier stationierten Garnison errichtet.

 

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Der berühmte Salamanca Market ist in unmittelbarer Nachbarschaft und wird von uns daher fast wöchentlich besucht. Jeden Samstag finden sich tausende Einheimische und Touristen bei den mehr als  dreihundert Marktständen ein.

Das Schöne an diesem Markt ist, dass es fast ausschließlich lokale Produkte zu kaufen gibt. Neben Kunsthandwerk kann man Obst und Gemüse erstehen oder bei einem der zahlreichen Imbiss-Stände eine Kleinigkeit essen und sich an den Darbietungen der Straßenkünstler erfreuen. Ramsch aus asiatischer Billigproduktion sucht man vergeblich.

 

Salamanca Place an einem Wochentag

Markttag

 

Dir gefällt das Wetter nicht? Warte einfach ein paar Minuten!

Hobart ist mit 626 mm Niederschlag (zum Vergleich: Salzburg 1184 mm) die zweittrockenste Bundeshauptstadt Australiens. Das Wetter ist sehr wechselhaft, es gibt fast keinen Tag ohne Sonnenschein. Wenn es regnet, ist das meist nur von kurzer Dauer. Das Haus verlässt man trotzdem besser nicht, ohne eine Jacke mitzunehmen. Besonders wenn er aus südlicher Richtung (Antarktis) kommt, kann ein plötzlich auffrischender Wind die Temperatur um zehn Grad oder mehr fallen lassen. Ein beliebter Spruch der Einheimischen: Dir gefällt das Wetter nicht? Warte einfach ein paar Minuten!

Nach insgesamt etwas mehr als sechs Monaten in Hobart verstehen wir immer mehr, warum es Emilia hier so gefällt. Und die Dame vom Flughafen Sydney hat recht: Es hat ein bisschen damit zu tun, dass einem scheint, die Zeit wäre stehengeblieben.

 

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7 Antworten

  1. Ingrid Lindenthaler
    | Antworten

    Hallo Ihr Lieben,
    ja hoffentlich kommt Ihr auch wieder freiwillig zurück!!!!!????
    Sieht ja alles sehr nett, relaxed und harmonisch aus! Vor allem das Wetter: „Warte ein paar Minuten bis der Regen wieder vorbei ist“! Bei uns passt eher der Spruch: warte ein paar Tage (oder Wochen?) bis das Wetter ein kleines bisserl besser wird…..
    Hobart wirkt ja wirklich sehr idyllisch und Eure Häuschen sehen auf den Bildern auch sehr harmonisch aus! Feuchtigkeit, Muffel, Stromausfall und Wasserschaden können wir auf den Bilder ja nicht sehen – aber zu gut soll es Euch ja auch nicht gehen, wir gönnen Euch auch ein paar Alltagsprobleme 🙂
    Und ich dachte schon, der Himmelblaue Cadillac ist Euer neues Auto! Den würde ich nicht mehr freiwillig hergeben!
    Also dann, warten wir auf ein neues Lebenszeichen von Euch und senden herzliche Grüsse an Euch Alle
    Ingrid und Thomas

    • admin
      | Antworten

      Liebe Ingrid, lieber Thomas,
      mehr oder weniger freiwillig (unsere Australien-Visa laufen ja auch irgendwann ab) werden wir uns in ein paar Wochen auf den Heimweg machen. Aber wir freuen uns natürlich auch schon riesig, euch und die anderen Daheimgebliebenen wieder sehen zu können!
      Der Himmelblaue ist übrigens ein Ford Falcon aus den 60er Jahren. Als ich 1988 das erste Mal in Australien war, hatten wir uns einen 1975er Ford Falcon Stationwagon gekauft, solche sieht man hier auch noch gelegentlich. Der 1953er Riley von unserem Nachbarn (auf dem ersten Foto parkt er direkt vor unserem Häuschen) wäre mir allerdings noch lieber 🙂
      Liebe Grüße,
      Cosima, Pia, Emilia, Sigrid & Markus

  2. Matias Möller
    | Antworten

    Es ist, wie jedes Mal, ein große Freude und Genuss die schönen Bilder zu sehen und von Euren Erlebnissen zu lesen.
    Ganz herzliche Grüße aus Düsseldorf bei knapp 18°C.
    Matias

    • admin
      | Antworten

      Lieber Matias,
      bei uns ist es in den letzten Tagen recht kalt geworden (Tageshöchstwerte nur um die 10 Grad), hoffentlich wird das bald wieder. Wir wünschen Euch auf jeden Fall einen wunderschönen Sommeranfang!
      Liebe Grüße
      Cosima, Pia, Emilia, Sigrid & Markus

  3. Barbara Schöffmann
    | Antworten

    Danke ,das war aber jetzt schön diese Traumbilder zu sehen.Habe schon lange darauf gewartet.Jetzt glaube ich euch, daß ihr euch so heimelig fühlt.Ich hoffe, der Abschied wird euch nicht gar zu schwer fallen.Ich wünsche euch noch schöne Tage Eure Oma B

  4. Rob
    | Antworten

    Wieder viele schöne Bilder! Macht immer Freude, hier vorbeizuschauen! Der Riley ist super! Den würde ich im aktuellen LFI-Contest in’s Rennen schicken (den von vorne) https://lfi-online.de/ceemes//page/show/715 LG, Rob

    • admin
      | Antworten

      Vielen Dank für den Tipp Rob, schon erledigt 🙂

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